Man sollte frühzeitig darüber nachdenken, welche speziellen Probleme je nach Konstellation auftreten können, um sofort darauf reagieren zu können. Um das Risiko eines Fehlschlages von vornherein zu minimieren, müssen wir zunächst sorgfältig einen passenden Partner für den bereits im Haus lebenden Vierbeiners auswählen.

In jedem Fall ist vorweg zu sagen: Bis auf ganz, ganz wenige und äußerst seltene Ausnahmen bestimmen Sie als Rudelführer das Klima und die Form des Umgangs in Ihrem Haus. Bis auf diese wenigen Ausnahmen sind so gut wie alle extremen Vorkommnisse auf Verhaltensfehler und Versäumnisse des Menschen in der Rudelintegration und Rudelführung zurückzuführen.

Denn was viele übersehen: Die  Führungs eines Rudel ist MEHR als nur die Führung eines einzelnen Hundes. Es erfordert aktives Umdenken, Einfühlen, Eingreifen und zwar nicht nur eines Mitgliedes der Familie, sondern ALLER Familienmitglieder. Es müssen neue Regeln aufgestellt werden und oft ergibt sich auch eine neue Ordnung. Eine andere als geplant, deshalb ist hier zu Flexibilität und Anpassung von allen Seiten wichtig, selbst wenn ein Welpe oder Junghund dazu kommt.

Denn es klappt niemals von alleine. Das beste ist gut vorbereitet zu sein, die kleinen Missverständnisse und Auseinandersetzungen zu steuern und so zu lenken, dass sich schnell ein positives und angenehmes neues Gleichgewicht einstellt.

Es gibt allerdings Ausnahmen bei Secondhand-Hunden aus dem Tierschutz. Da wir die Historie selten genau kennen und auch nicht in die Köpfe unserer Fellgesichter sehen können, muss man die Hunde in einem Rudel beobachten. Verhalten in Großrudeln sind KEINE Basis für eine Zukunftsprognose. Genausowenig wie Zwingerhunde, die mit einem anderen Zwingerhund leben. Deshalb ist unser Ratschlag sich an den Erzählungen und konkreten Beoachtungen Ihrer Tierschützer in Situationen in Kleinrudeln zu orientieren, wenn es um die Entscheidung für oder gegen ein Fellgesicht geht.

Beim Verhalten spielen verschiedene andere Faktoren eine Rolle. Unter anderem auch das Geschlecht:

a) Rüde & Hündin

Hunde verschiedenen Geschlechts vertragen sich in aller Regel gut. Eine empfehlenswerte Kombination – wäre da nicht das Problem mit der Fruchtbarkeit. Wer mag sich und seinen Vierbeinern schon zumuten, die beiden mindesten vier Wochen im Jahr voneinander fernzuhalten oder während der kritischen Zeit den Rüden aus dem Haus zu geben.

Es ist zweckmäßiger, einen der beiden zu kastrieren. Meist wird die Hündin dem Eingriff unterzogen. Damit fallen zudem alle übrigen mit der Läufigkeit verbundenen Schwierigkeiten weg.
Manchmal spricht auch einiges dafür, den Rüden zu kastrieren – dann nämlich, wenn er in Gegenwart „seiner Frau“ einen überstarken Kavaliersinstinkt entwickelt und jedem Geschlechtsgenossen prophylaktisch niedermacht.

Aber: Ob wir den Rüden oder die Hündin kastrieren lassen – mit dem Eingriff kann auch ein Teil der natürlichen Toleranz dem andersgeschlechtlichen Partner gegenüber verloren gehen.

Am einfachsten ist in der Regel die Zusammenführung bereits kastrierter Fellgesichter.


b) Rüde & Rüde

Wer einen vierbeinigen Rambo besitzt, der sich gerne mit Geschlechtsgenossen prügelt, vermag sich kaum vorzustellen, daß zwei Jungs im selben Haushalt gut miteinander auskommen können. Das funktioniert aber in den meisten Fällen bestens. Vorausgesetzt, man gibt ihnen die Gelegenheit, ihre Hackordnung festzulegen und zwar bereits bei der allerersten Zusammenführung. Sonst gibt es irgendwann den unvermeidlichen Zoff. Das Rüdengerangel hat allerdings den Charakter eines Rangordnungskampfes. Wobei auch das nicht unglimpflich abgehen muss, denn nicht immer ist einer der beiden wirklich klüger – und gibt nach.

Das bedeutet: Man will sich zwar nicht umbringen, sondern nur die Machtverhältnisse klären. Aber es kann doch zu erheblichen Verletzungen führen. Sobald sich herausgestellt hat, wer der Stärkere ist, werden die Kampfhandlungen eingestellt. Rüden sind nicht nachtragend: Der unterlegene Rüde ist fortan ein guter Spielkamerad und treuer Vasall- falls er sich nicht irgendwann zu einer Revolte entschließt, weil er seine Unterlegenheit nicht mehr akzeptiert.

Kommt es unter etwa gleichstarken Rüden immer wieder zu Zank und Streit und alle Ihre Eingriffe und Erziehungsmaßnahmen scheitern, kann es erforderlich werden, den Rangniedrigen zu kastrieren, um den Rangunterschied zu vergrößern und eine klare Hackordnung langfristig zu stabilisieren.

c) Hündin & Hündin

Wie das mit den Weibern, die zu Hyänen werden, gemeint ist, begreift jeder schnell, der einmal einen Kampf zwischen zwei verfeindeten Hündinnen miterlebt hat.

Züchter, die eine größere Anzahl von Vierbeinern im Haus haben, sehen sich nicht selten mit dem Problem konfrontiert, daß zwei ihrer Damen von heute auf morgen zu erbitterten Gegnerinnen werden.Die Aversion erweist sich leider häufig als irreversibel. Versöhnungsversuche sind zwecklos.

Separiert man solche Kampfhennen nicht lebenslang, muß man mit einem blutigen Gemetzel bis zum bitteren Ende rechnen. Das sind – wohlgemerkt- Ausnahmefälle. Nicht jede zwischen zwei Hündinnen auftretende Rivalität nimmt diesen Verlauf, aber bei Tierschutzhündinnen kommen diese Verhaltensweisen meist nicht überraschend.

Normal ist allerdings, daß sich die Ladies hin und wieder in die Wolle geraten, oft ausgelöst durch „Los Wochos“ bei einer oder beiden, oder Eifersüchteleien ( bei den weiblichen Zweibeiner auch). Gerade zu Beginn der Hitze können Hündinnen ausgesprochen unleidlich werden. War das Dominanzgefälle zwischen beiden schon vorher nicht sehr deutlich, kommt es in dieser Zeit verstärkt zu Auseinandersetzungen. Für Ihre Besitzer heißt es dann: Wehret den Anfängen. Auch bei ständigen, sich verstärkenden Eifersüchteleien unter Hündinnen kann sich die Kastration des rangniedrigen Tieres als friedensstiftend erweisen. Wie gesagt kann: Denn solche Verhaltensweisen sind auch vielfach falsche Routine und damit alleine durch konsequente Führung, Training und intensives, liebevolles Lernen beeinflussbar.

Auch hier gilt: Zwei kastrierte Hündinnen zusammenzuführen ist um ein vielfaches einfacher und steigert die Wahrscheinlichkeit, dass es mit ein bißchen Führung friedlich und harmonisch abläuft.

Ein wichtiger Hinweis: Die Zusammenführung

Zum Schluss möchten wir noch darauf aufmerksam machen, dass die erste Zusammenführung und die Art wie Sie dies machen, entscheidend für die ganze Beziehung sein wird. Hier gibt es als Faustregel folgende Grundsätze:

  1. Wählen Sie immer einen NEUTRALEN BODEN – also nicht das Haus oder der eigene Hof oder Garten.
  2. Achten Sie auf RÄUMLICHE WEITE – und die Möglichkeit auszuweichen und sich von allen Seiten zu beschnuppern. Kurze Leinen sind, egal wie ängstlich Sie dabei sind, tabu!
  3. Schaffen Sie analoge Umstände und GLEICHE VORAUSSETZUNGEN. Achten Sie darauf, dass ihre Fellgesichter NIE frontal aufeinander zugehen (kann als Aggression interpretiert werden), sondern von der Seite und dabei eher spielerisch. Geben Sie ihren Hunden Raum.
  4. Achten Sie darauf, dass LICHT ist und vermeiden Sie Dunkelheit, Schatten oder einen Hund aus der Dunkelheit auf den anderen zukommen zu lassen.
  5. GLEICHBERECHTIGUNG unter Hunden gibt es nicht! Hunde brauchen immer einen Rang – allerdings kann es sein, dass Hunde in unterschiedlichen Situationen die Rollen bezüglich des Rangs tauschen und Arbeitsteilung betreiben. Hier ist Fingerspitzengefühl und Verständnis des Menschen erforderlich.
  6. Nehmen Sie nie an, dass der Hund, der zuerst da war, auch die Führung weiterhin übernimmt, auch wenn er älter, größer oder stärker ist. Das kann sich sekundenschnell ändern und provoziert dauerhafte Auseinandersetzung. Lassen Sie sich und den Fellgesichtern Zeit, beobachten Sie, wer die Führung im Rudel, wann übernimmt.
  7. Zwingen Sie keinen der Fellgesichter zu etwas, aber auch Ihre Familie nicht. Beziehungen müssen wachsen und können das nur mit Verständnis und Wertschätzung tun.
  8. Ihr Verhalten ist für Ihre Hunde ein VORBILD: Vermeiden Sie besonders am Anfang zu einem der Fellgesichter zu hart oder zu weich zu sein, das schürt Eifersucht oder sorgt für unnötigen Verdruss.
  9. Vergessen Sie niemals, dass Ihr bisheriges und Ihr neues Fellgesicht ein Hund ist und SCHUTZINSTINKT hat. Das neue kann sich durch übertriebenen Schutz bedanken oder das alte Fellgesicht ebenso meinen, es muss Sie oder ein Familienmitglied gegen das neue Fellgesicht beschützen. Es liegt an Ihnen und Ihrer Führung, an dem Verhalten der GANZEN FAMILIE, wie diese Integration klappt.
  10. Hunde haben einen stärkeren INSTINKT als wir Menschen: Wenn Sie sich freuen, wenn Sie Ihr Fellgesichter lieben und Sie unkompliziert und unverkrampft an die Situation herangehen, dann werden alle ihre Fellgesichter das auch versuchen und machen. Nützen Sie das aus und stellen Sie sich auf das positive Ziel (bei kleinen Problemchen) ein  – und schon klappt es auch mit der Zusammenführung.

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